AGA - Arbeitsgemeinschaft Arbeit gGmbH
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Datum 04 / 2012
Mandant AGA - Arbeitsgemeinschaft Arbeit gGmbH
Kategorie Presse-Information
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aand1202_b1: Hermann Hibbeler, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Gründungsmitglied AGA e.V. – Foto: AGA
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aand1202_b2: Dr. Lucas Heumann, Vorsitzender des Vereins AGA e.V. – Foto: VHK Herford
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aand1202_b3: Jens Fillies und Paul Meier, Geschäftsführer AGA gGMBH – Foto: AGA
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Hier wird soziale Marktwirtschaft gelebt:
Die AGA gGmbH Detmold wird 25

Bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeit gGmbH (AGA), Detmold, sind vorwiegend Menschen beschäftigt, die wegen psychischer Erkrankungen, körperlicher Behinderungen oder Langzeitarbeitslosigkeit kaum eine Chance auf ein geregeltes Berufsleben hätten – obwohl sie gute Arbeit leisten können. Unter dem Leitsatz „Integration durch Arbeit“ sollen sie hier durch eine sinnvolle Tätigkeit Genesung und Selbstbestätigung erfahren. Die AGA besteht seit 1987 und ist fest im Kreis Lippe verwurzelt: Hier schafft die gemeinnützige GmbH Arbeitsplätze „direkt vor der Haustür“. Das Integrationsunternehmen leistet damit einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit für die Menschen in der Region. Über 100 AGA-Mitarbeiter sind derzeit in den Bereichen Recycling, Industriemontagen und Umweltprojekte tätig.

In diesem Jahr wird die AGA 25 Jahre alt, das wird am 15. Juni bei einem Festakt in Detmold gefeiert. Gelegenheit für die Beteiligten, zurück zu schauen, sich für die langjährige Unterstützung durch viele tatkräftige Partner und Förderer zu bedanken – aber auch, um den Blick auf die künftige Entwicklung AGA zu lenken: Das soziale Klima in Deutschland ist im Wandel begriffen, die Fallzahlen psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben steigen stetig. Das stellt die AGA vor große Herausforderungen. Sie muss neue Wege gehen, um ihre wichtigen Aufgaben in der Region auch weiterhin erfüllen zu können. Ein Gespräch mit den Vereinsvorsitzenden des AGA e.V., Hermann Hibbeler und Dr. Lucas Heumann, sowie den Geschäftsführern der AGA gGMbH, Jens Fillies und Paul Meier:

Die AGA gGmbH ist aus dem Verein AGA e.V. entstanden. Wie ist es zur Vereinsgründung gekommen?

Hermann Hibbeler: Ich war DGB-Kreisvorsitzender in Lippe und habe 1986 bei einer Gesundheitskonferenz Herrn Dr. Jochen Kronibus kennengelernt, den Chef der psychiatrischen Tagesklinik. Durch ein Gespräch über psychisch Kranke und deren Situation am Arbeitsmarkt sind wir auf die Idee gekommen, ein Beschäftigungsprojekt für psychisch Kranke zu initiieren. Es gab keine adäquaten Angebote und wir waren uns einig, dass es einer „Brücke“ zwischen Klinik, beschützender Werkstatt – z.B. Lebenshilfe – und dem allgemeinen Arbeitsmarkt bedurfte. Mit Vertretern sozialer Einrichtungen, Kreispolitikern und Privatpersonen haben wir unser Vorhaben diskutiert. Der Verein AGA e.V. wurde dann 1987 gegründet.

Wie viele Mitglieder hat der Verein AGA e.V. heute und aus welchen gesellschaftlichen Kreisen kommen die Aktiven?

Dr. Lucas Heumann: Der AGA e.V. hat aktuell ca. 30 Mitglieder, die überwiegend aus drei Bereichen stammen: Zum einen sind es Mitarbeiter der AGA gGmbH, außerdem Firmen und Organisationen, die geschäftlich mit dem Unternehmen AGA verbunden sind und schließlich lokale Politiker aus dem Kreis Lippe.

Welches waren nach Gründung die ersten Tätigkeitsfelder für die AGA?

Hermann Hibbeler: Wir haben mit Industriemontagen begonnen. Es war ein großes Glück für uns, dass uns Peter Gläsel, Unternehmer und Eigentümer der Firma Weidmüller, nach einer Betriebsversammlung spontan seine Unterstützung in Form von Montageaufträgen und Hilfe durch junge Trainees zugesagt hatte. Ein weiteres Betätigungsfeld wurde die Entsorgung und saubere Fraktionierung von FCKW-belasteten Kühlschränken. Einige weitere Projekte kamen und gingen. Erinnern möchte ich zum Beispiel an die legendären Blueskonzerte auf dem Orbker Hof: Mit Hilfe eines ehrenamtlich tätigen Musikers konnten wir die Kulturreihe anbieten. Aus diesem Projekt heraus ist der Blues in Detmold wieder angekommen. Wegen der Expansion des Wirtschaftsbetriebes und der räumlichen Enge auf der Deele des Hauses musste dies Projekt nach einigen Jahren leider eingestellt werden.

Seit wann sind Sie in der AGA aktiv und was waren für Sie dort die wichtigsten Entwicklungsschritte?

Dr. Lucas Heumann: Ich bin im Jahr 2001 zur AGA gekommen und wurde kurz darauf in den Vorstand gewählt. Seitdem habe ich mit einer Pause zwischen 2007 und 2010 den Vorsitz des AGA e.V. inne. Der stellvertretende Vereinsvorstand Herr Hermann Hibbeler war damals Gewerkschafts-Kreisvorsitzender, während ich meine Kenntnisse als Vertreter der Arbeitgeberseite eingebracht habe. Diese gemeinsame Arbeit entspricht ganz dem Grundsatz der AGA als einer überparteilichen und gemeinnützigen Institution. Mein persönlicher Beweggrund war und ist meine feste Überzeugung, dass wir psychisch kranke oder behinderte Menschen in unsere Gesellschaft und in die Arbeitswelt integrieren müssen, statt sie in besonderen Institutionen zu isolieren.

Die wichtigste Weichenstellung war 2000 die Trennung des Vereins AGA e.V. vom gemeinnützigen Unternehmen AGA gGmbH. Sie fiel in eine schwierige, existenzbedrohende Phase und hat das wirtschaftliche Überleben der AGA erst möglich gemacht. Ein weiterer wichtiger unternehmerischer Schritt war der Aufbau von verschiedenen Geschäftsfeldern. Heute sind Industriemontagen und Recycling die beiden tragenden Säulen der AGA gGmbH. Die erste ist sehr konjunkturabhängig und damit krisenanfälliger, die zweite sichert eine kontinuierliche Ertragsentwicklung.

Paul Meier: Ich bin seit 1999 bei der AGA aktiv und erinnere mich noch gut an die schwere Krisenzeit. Der damalige Oberkreisdirektor sprach mich an, ob ich als ehemaliger Banker bereit sei, der AGA kaufmännisch wieder auf die Beine helfen. Ich war bereits im Ruhestand und hatte eigentlich nur vor, als Berater zu agieren. Das war angesichts der schlimmen Lage der AGA aber illusorisch. Ich habe mich voll engagiert und die AGA auch einige Monate als alleiniger Geschäftsführer geleitet. In vielen persönlichen Gesprächen mit den Gläubigern ist es mir schließlich gelungen, das Vertrauen wieder herzustellen. Die AGA konnte gerettet werden, es wurden neue Geschäftsbereiche aufgebaut und die Schulden konnten im Laufe der Jahre komplett getilgt werden. Seit Jens Fillies als Geschäftsführer mit an Bord ist, haben wir gemeinsam unsere Fähigkeiten und Stärken einbringen können. Herr Fillies führt das operative Geschäft, ich bin mittlerweile hauptsächlich als Vertrauensperson und persönlicher Ansprechpartner für die Mitarbeiter da. Aber meine Rolle bei der AGA geht altersbedingt nun langsam zu Ende.

Jens Fillies: Im Frühjahr 2001 sprach mich Hermann Hibbeler auf den neu zu besetzenden Geschäftsführerposten bei der AGA an. Ich war bei den Detmolder Städtischen Betrieben unter anderem zuständig für die Müllabfuhr und hatte in dieser Position immer wieder mal Kontakt mit den Kollegen des Recyclinghofes in der Orbker Straße. Das komplette Portfolio der AGA wurde mir aber erst in späteren Gesprächen bewusst. Neben Herrn Hibbeler leiteten damals ebenso der Oberkreisdirektor Dr. Helmut Kauther und Heinz-Wilhelm Wehrmann die Vorstandsgeschicke der AGA. Auch mit Herrn Wehrmann, den ich aus seiner Tätigkeit im Städtischen Hochbauamt kannte, habe ich mich in der Folgezeit über Ziele und Chancen der AGA unterhalten. So rosarot wie meine Gesprächspartner anfangs die Aussichten der AGA gemalt hatten, waren sie beim genauen Betrachten dann aber doch nicht. Im Dialog mit den beiden nebenamtlichen Geschäftsführern Paul Meier und Siegfried Gehrke wurde mir schnell klar, welche Mammutaufgabe wir gemeinsam zu bewältigen hatten. Angesichts der finanziellen Altlasten mussten wir jeden Geschäftsbereich für sich betrachten und abwägen, ob dieser künftig kostendeckend gefahren werden konnte. Der soziale Auftrag lässt sich eben nur erfüllen, wenn die wirtschaftlichen Grundlagen gegeben sind. Dies haben wir gemeinsam hinbekommen – und hier schließe ich ausdrücklich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Auch unser Vereinsvorsitzender Dr. Lucas Heumann hat geholfen, manch verfahrene Situation zu lösen. Und er hat uns 2004 den Weg zum hoffentlich noch sehr lange laufenden Sperrmüllvertrag mit dem Abfallwirtschaftsverband Lippe geebnet.

Was war bislang Ihr schönstes Erlebnis bzw. erfreulichstes Ergebnis Ihres Einsatzes für die AGA?

Hermann Hibbeler: Schöne Erlebnisse waren für mich, wenn Menschen ihre Dankbarkeit zeigten, dass sie in der AGA einen Arbeitsplatz hatten. Und die Bestätigung unserer „Utopie“, dass – entgegen der Prophezeiung von Führungskräften aus der Wirtschaft – die AGA ein gesunder sozialer Integrations-Betrieb geworden ist. Das Projekt AGA ist der Beweis dafür, dass soziale Projekte möglich sind, dass sie qualitativ hochwertige Arbeit leisten und dabei durch Stabilität Menschen mit Handicap nicht nur Arbeit, sondern auch Heimat bieten kann.

Jens Fillies: In den nun fast elf Jahren meiner Geschäftsführertätigkeit hat es viele schöne Erlebnisse und erfreuliche Ergebnisse gegeben und das schönste kommt ja hoffentlich erst noch: Zum Beispiel die Feierlichkeiten zu unserem 25-jährigen Bestehen am 15. Juni im Detmolder Sommertheater. Positiv waren und sind für mich stets die Neueinstellungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist einfach ein gutes Gefühl, Menschen mit seelischen Behinderungen, körperlichen Einschränkungen oder Langzeitarbeitslosen eine neue Lebensperspektive eröffnen zu können. Genau so toll ist es, wenn ich sehe, wie viele Maßnahmen wir an den lippischen Gewässern in den letzten Jahren mit unserem Projekt Wasser im Fluss umgesetzt haben. Und richtig gefreut hat mich vor rund zwei Jahren der Besuch von Klaus Eisert, dem geschäftsführenden Gesellschafter Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg – unser wichtigster Kunde im Betriebsbereich Industriemontagen. Vor der ersten LWL-Messe für Integrationsunternehmen hat er mich gefragt, ob er mal eben vorbeikommen könne, um sich über die Themen Integration und Inklusion schlau zu machen.

Was unterscheidet die AGA-Arbeit von den üblichen Fördermaßnahmen?

Dr. Lucas Heumann: Die AGA gGmbH ist als Integrationsunternehmen eine Einrichtung des ersten Arbeitsmarktes. Die AGA ruht sich nicht in der sozialen Hängematte aus, sondern sie muss wirtschaftlich arbeiten, um zu überleben. Die Beschäftigungsverhältnisse und Serviceangebote bilden auch keine „Marktverzerrungen“ wie manchmal behauptet wird: Wenn hier beispielsweise psychisch kranke Menschen beschäftigt werden, dann erhält die AGA dafür Fördermittel, die auch allen anderen privatwirtschaftlichen Unternehmen offen stehen. Es ist also eine Entscheidung jedes einzelnen Unternehmens, diesen Menschen durch einen Arbeitsplatz eine neue Chance zu geben.

Jens Fillies: Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind häufig auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Greifen diese Instrumente dann nicht wie erhofft, sind sie schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Bisweilen tauchen sie auch an anderer Stelle mit anderem Namen wieder auf. Dies zeigt schon den Unterschied zur AGA. Sie wurde gegründet, um etwas Langfristiges und Nachhaltiges für die Menschen zu schaffen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten der AGA seit Jahren, ja teilweise seit Jahrzehnten die Treue. Mit ihrem Engagement haben sie mit dafür gesorgt, dass die AGA nachhaltig ist und somit etwas ganz anderes als eine auf sechs Monate befristete Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Worin sehen Sie die größten Hindernisse für die Arbeit der AGA? Wie könnte man hier Verbesserungen bewirken?

Dr. Lucas Heumann: Politische Veränderungen und der Druck zur Sanierung der öffentlichen Haushalte stellen Zuschüsse oder Fördermittel für Projekte immer wieder in Frage. Die AGA braucht aber Planungssicherheit. Hier wären ein stärkeres soziales Engagement und der Wille zu mehr Kontinuität gerade von Seiten der politischen Volksvertreter wünschenswert.

Jens Fillies: Die Idee unserer Gründungsväter, die AGA als Brücke und „Durchlauferhitzer „zu verstehen, also die eigenen Mitarbeiter nach spätestens zwei Beschäftigungsjahren an andere Firmen weiterzugeben, hat sich überlebt. Ich gehe davon aus, dass Unternehmen wie die AGA auch in Zukunft das erfolgreichste und inklusivste Modell der Teilhabe am Arbeitsleben sein werden, weil nur sie es verstehen, sowohl den Anforderungen von Menschen mit Handicaps – seelisch, körperlich und sozial – als auch den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Die Politik und damit die Gesellschaft sind deshalb mehr denn je gefordert, dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Hier geht es neben ausreichend bemessenen Fördermitteln, etwa aus der Ausgleichsabgabe oder den Etats der Jobcenter oder Arbeitsagenturen, vor allem darum, vorhandene Arbeitsfelder mit eben diesen Menschen zu besetzen. Wie vielfältig diese Arbeitsfelder sein können, beweisen allein schon die in Lippe ansässigen Integrationsunternehmen. Bundesweit sind es inzwischen mehr als 800 Firmen, die annähernd 10.000 Menschen mit Behinderungen beschäftigen.

Was möchten Sie für die AGA in Zukunft erreichen?

Hermann Hibbeler: Mein Wunsch ist, dass die AGA für noch mehr Menschen mit Handicap eine attraktive Beschäftigung anbieten kann, die es ihnen ermöglicht, ihr Leben selbstständig zu organisieren, ohne dass sie das Gefühl haben müssen, die Gesellschaft zu belasten.

Jens Fillies: Die AGA wird sich ein Stück breiter aufstellen müssen, um auch die nächste Krise mit einem blauen Auge zu überstehen. Dazu müssen wir unser Dienstleistungsangebot jeden Tag neu überdenken und neue Kunden am besten in neuen, innovativen Geschäftsfeldern gewinnen. Dies wird freilich nur über die Qualität unserer täglichen Arbeit gelingen. Dass wir dazu in der Lage sind, bescheinigt uns Jahr für Jahr die Dekra, die sowohl den Recyclinghof als Entsorgungsfachbetrieb als auch den Betriebsbereich Industriemontagen QM (Qualitätsmanagement) zertifiziert. Im „Zeitalter der drohenden Vollbeschäftigung“ müssen wir uns auch damit auseinandersetzen, dass wir künftig vielleicht mit weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auskommen müssen. Was womöglich mit einer weiteren Technisierung und einer Verlagerung des jetzigen Standortes einhergehen könnte.

Dr. Lucas Heumann: Mir liegt sehr am Herzen, dass wir mehr Menschen für die Unterstützung der AGA begeistern können. Wir freuen uns über neue, engagierte Mitglieder, denn wir wollen die gesellschaftliche Verankerung des Vereins und auch des Unternehmens noch erweitern. Da es auch viele Schnittmengen unserer Tätigkeit mit der politischen Arbeit gibt, planen wir ein Inklusionsforum im Kreis Lippe. Damit soll ein permanenter Dialog zwischen den politischen Kräften und dem Integrationsunternehmen AGA angestoßen werden.

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