Leichtbauoffensive OWL
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Datum 09 / 2011
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lbnd1103_b1: Von „Bucky“ Fuller lernen: Auf Einladung der Leichtbauoffensive OWL nahmen interessierte Vertreter der Möbelbranche am 13.09. an einer Direktorenführung durch die aktuellen Ausstellungen im Marta Museum Herford teil. - Foto: Leichtbauoffensive OWL
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Von „Bucky“ Fuller lernen
Leichtbauoffensive OWL on Tour – Führung durchs Marta Museum Herford

Extrem stabile Konstruktionen bei geringstem Materialaufwand – der amerikanische Visionär Richard Buckminster Fuller gilt nicht erst seit seinen großformatigen geodätischen Kuppelbauten der 1960er Jahre als echter Leichtbaupionier. Am 13. September konnten auf Einladung der Leichtbauoffensive OWL (Lemgo) 30 interessierte Teilnehmer aus der Möbelbranche die futuristischen Konstruktionen und Entwürfe im Herforder Museum Marta bestaunen. Museumsleiter Dr. Roland Nachtigäller führte persönlich durch die aktuellen Ausstellungen „Bucky Fuller & Spaceship Earth“ und „Wir sind alle Astronauten – Universum Richard Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst“.

Die „Leichtbauoffensive OWL“ widmet sich fachübergreifend der Entwicklung und Förderung von intelligenten Leichtbaulösungen im Möbelbau. Zu den zahlreichen Aktivitäten gehört die Reihe „Leichtbauoffensive OWL on Tour“. Der Besuch der Herforder Ausstellung war für Prof. Martin Stosch, Projekteiter der Leichtbauoffensive OWL, eine echte Herzensangelegenheit, denn als Schriftsteller, Wissenschaftler, Forscher, Entwickler, Designer, Architekt und nicht zuletzt als Leichtbaupionier hat Buckminster „Bucky“ Fuller (1895-1983) schon frühzeitig die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Effizienz beim Material- und Energieeinsatz erkannt. Seine Konstruktionen folgten stets den Minimalprinzipien, seine Projekte suchten das optimale Zusammenspiel von Lebewesen, Stoffen und Kräften im Sinne einer gegenseitigen Förderung.

„Wenn wir heute in Wirtschaft und Technik zu Recht wieder vermehrt Synergien von Prozessen und Strukturen einfordern, dann stehen wir unmittelbar in der Tradition Buckminster Fullers“, konstatiert Stosch. „Er hat bereits Jahrzehnte im Voraus den Lösungsspielraum zukünftiger Generationen sehr genau beschrieben.“

Die Herforder Ausstellung zeigt nicht nur das weite Spektrum der ungewöhnlichen Ideen und futuristischen Projekte Fullers, sie kann darüber hinaus wertvolle Denkanstöße für Konzept- und Produktentwicklungen geben, ist sich Stosch sicher: „Wir können auch noch heute von Bucky Fuller lernen, den Mut zu haben, alte, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten.“Genau diesen Ansatz verfolgt die Leichtbauoffensive OWL mit ihrer Arbeit für den Möbelstandort Ostwestfalen-Lippe. Stosch: „Mit dem Leichtbau vollzieht die Möbelbranche den wichtigen Schritt vom immer noch handwerklich geprägten zum intelligenten Ingenieurprodukt. Wenn die heimische Möbelindustrie kreativ mit der Leichtbautechnologie umgeht und daraus neue Konzepte entwickelt, wird sie sich auch in Zukunft als Innovationsführer am Weltmarkt behaupten können.“

„Was wiegt Ihr Haus?“

Welche futuristischen und für seine Zeitgenossen teils völlig unverständlichen Konzepte und Visionen Buckminster Fuller erdacht und umgesetzt hat, konnten die Teilnehmer aus berufenem Munde von Museumsleiter Dr. Roland Nachtigäller erfahren. Ob beim bahnbrechenden „Dymaxion Car“ oder den Konstruktionen seiner viel beachteten geodätischen Kuppeln, das berühmteste Beispiel war seinerzeit als amerikanischer Beitrag zur Weltausstellung von 1967 in Montreal zu bewundern – Buckminster Fuller verfolgte stets das Ideal eines Designs, das mit minimalem Verbrauch von Energie und Ressourcen einen maximalen Nutzen für die Menschheit auf dem „Raumschiff Erde“ bringen sollte. Mit seinem Ansatz, die Welt als großes Ganzes zu sehen, war er seiner Zeit gedanklich weit voraus. Als Gegenpol zur traditionellen, schweren und langsamen Bauweise entwickelte er seine leichten, „schnellen“ und flexiblen Leichtbausysteme. „Was wiegt Ihr Haus?“ war eine der provokanten Fragen, mit denen er so manchen Architekten in Erklärungsnot brachte.

Dass zahlreiche seiner Konzepte zunächst den durchschlagenden wirtschaftlichen Erfolg vermissen ließen, war für Fuller Gott sei Dank kein Beinbruch. Er sah sich vielmehr als Vordenker, der Ideen anstieß und weiter gab, damit sie von den nächsten Generationen technisch umgesetzt werden könnten. Das „Public Domain“-Denken, wie wir es heute zum Beispiel in der Softwareentwicklung kennen, war für Fuller eine selbstverständliche Sache.

Einfach einmal umgekehrt denken

Nachtigäller betonte zwei Grundprinzipien Fullers, die zu ganz neuen Denkansätzen anregen. Das eine ist, Konstruktionen auf den Kopf stellen, also die Dinge und Funktionen einfach einmal von der anderen Seite zu sehen und umzusetzen. So baute er in seinem energiesparenden „Dymaxion Car“ die Achsen einfach umgekehrt ein:.Das Ergebnis: Mit der Lenkung hinten konnte das Fahrzeugt praktisch auf der Stelle wenden. Ein weiteres berühmtes Beispiel sind seine Tensegrity-Strukturen. Dabei setzt sich Kunstwort aus dem englischen tension, also Zugspannung und integrity für Ganzheit zusammen. Das Konstruktionsprinzip stützt sich nicht auf Druckkräfte, sondern auf Zugkräfte. Als feste Elemente dienen Stäbe, die einander allerdings an keiner Stelle direkt berühren. Äußerst stabil und hoch belastbar wird die leichte, selbsttragende Konstruktion allein durch die gespannten Zugseile.

Das zweite Credo Fullers: Wenn ein System zu komplex und das Optimum nicht zu erreichen ist, einfach einen Schritt zurück treten, um Lösungen auf der darunter liegenden Ebene zu finden. Er war überzeugt, dass sich durch einfache Konstruktionen auch die großen Zusammenhänge und sogar der Bauplan des Universums begreifen ließe. Fuller reduzierte daher auch in seinen Entwürfen die Formen vielfach auf Drei-, Fünf- oder Sechsecke. Noch heute unübertroffen ist beispielsweise seine geometrische Projektion der Erdkugel auf einbeschriebene Ikosaeder oder andere Polyeder. Die von Fuller entwickelte kartografische ‚Dymaxion Map' zeigt im Gegensatz zur üblichen Mercator-Projektion wesentlich geringere Verzerrungen bei der Abwicklung der Sphäre in die Ebene.

Martin Stosch griff Fullers Grundgedanken am Schluss der Führung nochmals auf und warb bei den Branchenteilnehmern dafür, diese Ansätze auch als Ansporn für eigene Entwicklungen in der Möbelleichtbaukonstruktion zu nutzen. Um Ideenreichtum für die Möbelbranche wird es bei der Leichtbauoffensive OWL auch in Zukunft gehen: Das Projekt-Team in Lemgo plant Großes für das Jahr 2012, und besonders alle Möbelhersteller sollten sich den 23. und 24. Mai 2012 im Terminkalender reservieren: An diesen beiden Tagen findet in der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo das 2. Internationale Möbelleichtbau-Symposium statt. Dort werden nicht nur die Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Leichtbauoffensive vorgestellt, sondern auch mit zahlreichen Experten die berühmten Blicke über den Leichtbau-Tellerrand gewagt.

http://www.igel-ev.net/de/leichtbauoffensive_owl/



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Von „Bucky“ Fuller lernen: Auf Einladung der Leichtbauoffensive OWL nahmen interessierte Vertreter der Möbelbranche am 13.09. an einer Direktorenführung durch die aktuellen Ausstellungen im Marta Museum Herford teil. - Foto: Leichtbauoffensive OWL

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[17.06.2010]